MIMESIS Munich Doctoral Program for Literature and the Arts
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Simone Niehoff

Simone Niehoff, Dipl.-Dram.

Former Doctoral Student

Thesis Title

Theatrale Interventionen. Subversive-mimetische Dramaturgien und agonale Öffentlichkeiten

Abstract


Interventionistische, theatrale Aktionen, beispielsweise von Pussy Riot, den Yes Men oder dem Zentrum für politische Schönheit haben wiederholt große, massenmedial vermittelte Öffentlichkeiten erreicht und polarisierende Debatten angestoßen. Dieses Dissertationsprojekt fasst solche Protest- und Kunstaktionen unter dem Begriff der theatralen Interventionen zusammen. Die Forschungsschwerpunkte liegen darauf, Begriff und Dramaturgie der theatralen Intervention analytisch zu fassen, ihre mimetisch-subversiven Strategien zu analysieren sowie ihr Wirkungspotential der Generierung agonaler Öffentlichkeiten zu untersuchen.
Synchrone und diachrone Analysen der Verwendung des Interventionsbegriffs in Bezug auf theatrale Praktiken werden mit theoretischen Ansätzen verschiedener Disziplinen zusammengeführt. Dabei wird Chantal Mouffes Konzeption der critical artistic intervention mit theaterwissenschaftlichen, aber auch völkerrechtlichen wie interventionssoziologischen Perspektiven in Dialog gesetzt.
Theatrale Interventionen werden als parasitäre mimetische Prozesse beschrieben, die mimetische Praktiken zur subversiven Aneignung bestehender Diskurse und kultureller Praktiken nutzen. Dabei wird das subversive Potential des Mimetischen ausgehend von seinen destabilisierenden, die (ideal-)staatliche Ordnung gefährdenden Eigenschaften bei Platon unter Rekurs auf Überlegungen u.a. von Judith Butler, Homi K. Bhabha und Jacques Lacan theoretisch reflektiert. In den Beispielanalysen wird ein breites Spektrum mimetischer Praktiken, das vom Karnevalesk-Parodistischen über Fakes und Reenactments bis hin zu Phänomenen mimetischer Ansteckung reicht, herausgearbeitet.
Rezeption und Wirkungspotential theatraler Interventionen werden aus öffentlichkeitstheoretischer Perspektive untersucht: Theatrale Interventionen führen Interaktionen zwischen verschiedenen (Teil-)öffentlichkeiten herbei, oft mit dem Ziel, sich Zugang zu einer dominierenden oder hegemonialen Öffentlichkeit zu verschaffen. Gleichzeitig generieren sie häufig agonale Strukturen von Öffentlichkeit im Sinne Chantal Mouffes. Beispielsweise hat die Aktion Erster Europäischer Mauerfall des Zentrums für politische Schönheit als provozierende, affizierende theatrale Intervention eine hochgradig kontroverse Diskussion ausgelöst und damit eine agonale, politische, von Dissens geprägte, massenmedial vermittelte Öffentlichkeit generiert.
Das Dissertationsprojekt untersucht theatrale Interventionen, die mimetische Verfahren anwenden, um öffentliche Wirkung zu entfalten und trägt damit zur Beleuchtung der subversiven, politischen Dimension von Mimesis bei.