MIMESIS Munich Doctoral Program for Literature and the Arts
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Daniel Becker

Daniel Becker, M.A.

Doctoral Student

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Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München

Room: M311
Phone: +49 (0)89 2180-3081

Thesis Title

Schnitt-Stellen. Ästhetische und aisthetische Implikationen von Interfaces in technologischer Kunst (Arbeitstitel)

Abstract

Im post-mechanischen Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit sind Bilder ephemer. Künstlerische Arbeiten wie Julius Popps bit.fall (2001-06), in der die immateriellen tags des Internets durch einen materiellen wie metaphorischen Wasserfall nur für einen Augenblick lesbar werden, zeugen davon, dass die oberflächlichen Informationen der technologische Reizüberflutung als unscharfes Fluidum wahrgenommen werden. Dass dabei die Begriffe Interface, Interaktion oder Intermedialität den Diskurs über die technologische Kunst geprägt haben, liegt eben vor allem daran, dass gerade sie das gattungsspezifische Merkmal der Echtzeit und der „elektrische[n] Augenblicksverknüpfung“ (Aby Warburg) markieren. Gegenwärtig kommt den Interfaces ein außerordentlicher Status zu, indem sie in Form von Kameras, (Touch-)Screens oder Smartphones den Zugang zu den omnipräsenten technologischen Informationsflüssen ermöglichen und damit ein wesentlicher Bestandteil der Partizipation an einer (möglichen) globalen kulturellen Wirklichkeit sind. In technologischer Hinsicht beschreiben sie dabei die Verbindung von Maschine und Peripherie, in der dem Menschen derselbe logische (Seins-)Status zukommt wie anderen Variablen; in einer kulturtheoretischen Hinsicht lenken sie hingegen das Augenmerk auf einen Formatierungsprozess, der sich in der Benutzung herausbildet.
In dieser Hinsicht wird das ästhetische Konzept der Mimesis zentral, denn es fragt nach dem grundlegenden Verhältnis von Wirklichkeit und Kunst. Es ist zentral, weil die Kunst sich einerseits zunehmend mit einer technologisch kultivierten Wirklichkeit konfrontiert sieht, für deren Auseinandersetzung mit dieser die sogenannte „Medienkunst“ durch ihre Gattungsspezifik geradezu prädestiniert ist. Andererseits aber auch, weil Interaktion, Immersion und, vice versa, die Emergenz idiosynkratisch für diese Kunst sind und darin dem Rezipienten einen Übergang von einer tatsächlichen in eine künstliche wie auch polysensorische Wirklichkeit ermöglichen. Das Interface oder die Schnittstelle mit ihren ästhetischen wie aisthetischen Implikationen wird deshalb im Fokus des Promotionsvorhabens stehen, da sie für diesen Übersetzungsprozess fundamental ist.