MIMESIS Munich Doctoral Program for Literature and the Arts
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Simon Gröger

Simon Gröger, M.A.

Doctoral Student

Contact

Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München

Room: M311
Phone: +49 (0)89 2180-3088

Thesis Title

Erinnerte Vergangenheit. Zur Ästhetik wiederholter Geschichte bei Milo Rau

Abstract

Das Promotionsprojekt widmet sich den theatralen Repräsentationsformen von Geschichte in den Arbeiten des Regisseurs Milo Rau. Dabei stehen die mimetischen Strategien im Mittelpunkt, die in Form von Wiederholung(en) von Geschichte stattfinden. So gewinnen vergangene Ereignisse durch und in der Präsenz einer gegenwärtigen Aufführung Gestalt. In dieser Verkopplung zeitlicher Strukturen ergibt sich die Möglichkeit Bezüge auf die Vergangenheit sowie auf individuelle und kollektive Erinnerungen herzustellen und zu erneuern. Dieser wieder-holende Bezug auf Vergangenes im Theater, häufig verallgemeinernd als Reenactment beschrieben, soll im Projekt für Rau konkretisiert und in verschiedenen Diskursfeldern gegenwärtiger theaterwissenschaftlicher Forschungsfelder verortet werden.
Die Besonderheit von Raus Ansatz besteht einerseits in der radikalen Individualisierung des Zugangs zur jeweils wiederholten Geschichte und andererseits in seinem Anspruch auf eine herstellbare, objektive Erfahrbarkeit stattgefundener Ereignisse. In diesem paradoxen Spannungsverhältnis zwischen individuell-subjektiver Erfahrung und kollektiv-objektiver Geltung erscheint die Problematik historischer Subjektivität: Wie hängen die individuelle Existenz und die kollektive Historie zusammen und welche Möglichkeiten gibt es, diesen Zusammenhang im Theater zur Geltung zu bringen? Das Theater Raus untersucht, so meine These, historische Subjektivierungen, indem sie das Verhältnis von individuell erlebter und verbürgter Geschichte zur kollektiv tradierten Historie im Theater neu beschreibt.
Hier ergeben sich Anknüpfungspunkte an weitergehende theaterwissenschaftliche Fragestellungen: Die Möglichkeit der Tragödie bzw. des Tragischen, dem wiederentdeckten Interesse an dokumentarischen Formen sowie einer konstatierten ‚Rückkehr’ des Realismus. Diese Forschungsfelder beschreiben auf je verschiedene Weise mögliche Relationen zwischen Individualität und Geschichtlichkeit sowie ihren theatralen Ausdrucksformen und bieten die Möglichkeit die Untersuchung von Raus Arbeiten zu leiten. Das Projekt unternimmt somit eine kritische Reflexion der Repräsentation und Darstellung historischer Subjektivität im Theater Milo Raus durch dessen mimetisch wiederholenden Umgang mit Geschichte.