MIMESIS Munich Doctoral Program for Literature and the Arts
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Marik Roos

Marik Roos, M.A.

Doctoral Student

Contact

Edmund-Rumpler-Straße 13, 80939 München

Room: B 280
Phone: +49 (0)89 2180-72142

Thesis Title

Mimesis im Kontext ästhetischer Rezeption

Abstract

In dieser Arbeit sollen ausgewählte Bearbeitungsprozesse und Imitationsstrukturen innerhalb der Musikgeschichte empirisch auf ihre ästhetische Rezeption geprüft werden.
Aus der Perspektive der Philosophie sind ästhetische Urteile meist komplexe Resultate eines intellektuellen, evaluativen Wahrnehmungsprozesses anspruchsvoller Musik. Die Popularmusikindustrie, in welcher seit Dekaden einfache Konzepte in regelmäßigen Abständen kommerziell erfolgreich reanimiert werden, bleibt davon jedoch unbeeindruckt. Allerdings bilden nicht nur in der Popularmusik, sondern ebenso in der Klassik Imitationsstrukturen Grundlagen für positive Rezeptionen. Ohrenfälligkeit wurde seit Anbeginn der musiktheoretischen Geschichte zum Grundprinzip harmonisch struktureller, formaler und melodischer Reglementierungen erhoben (zumindest, bis sie im 20. Jahrhundert zum Feind des künstlerischen Anspruchs erklärt wurde). So mag es nicht wundern, dass das Bekannte in der Musik oftmals das Präferierte ist. Wichtig ist hier jedoch, methodisch und empirisch das bloße Gefallensurteil von der ästhetischen Erfahrung, die oftmals mit einem anspruchsvollem Hören konnotiert ist, zu separieren. Der musikphilosophische Diskurs legt nahe, dass ästhetische Erfahrungen vor allem im Bezug auf das intellektuelle Hören unter anderem durch kognitive Erkennensleistungen entstehen, welche wiederum im Zusammenhang mit Bearbeitungsprozessen stehen können (Zitate, Allusionen etc.). Ein weiterer prominenter Aspekt der ästhetischen Erfahrung ist ein kontemplatives Element, dessen Eintreten möglicherweise sogar zur Voraussetzung hat, dass in den Grundstrukturen der Musik wenig Aufwühlendes oder Unbekanntes geschieht. Dem Gegenüber stehen die Erkenntnisse der Chill-Forschung, welche nahelegen, dass gerade das Unerwartete und Überraschende in der Musik positive physische Affekte auslöst. Ob die Freude über etwas Vertrautes oder das Wiedererkennen desselben sich ebenfalls auf physisch-affektiver Ebene nachweisen lässt, gilt es noch zu prüfen.
Ziel der Arbeit ist es, diverse Bearbeitungsprozesse und Imitationsstrukturen unterschiedlicher musikalischer Ebenen den einzelnen Dimensionen ästhetischer Rezeption und physischer Reaktion zuzuordnen und im besten Falle im Rahmen der musikalischen Analyse Prädiktoren für bestimmte Aspekte eines ästhetischen Urteils zu finden, die über Zeit und Genre robust sind.